Ein Strohkörnchen mein Leben
im Auge der Zeit
kleiner Staubstrudel
ein zerrissener Rocksaum
so wehte ich
wie trockener Wind
auf Wegen der Einöde einsam
in den Strassen eines Dorfes so arm
kein anderes Leben wissend
unablässig, plätschernd
so floss ich nun von ihr
wie Regen
wer weiss was es noch gab
hinter den Bergen
wie ein Atemzug
meine Beine so dürr
sind auch meine Arme geworden so lebte ich
in Häusern nur von Armut geprägt
gehe ich nun
ähnlich wie der Wind
doch liebte ich das Lachen
wie eine Regenpfütze
den Anlitz vom Mond liebt
ein Ast im Sommerwind
seine Blätter weht
so liebte ich trotz Armut und dem Schmerz
das Spielen ansich
meine Vorbestimmung eine Erdscholle
aus Luftziegeln die Erde
in Regengüssen
geschmolzen bin ich
mein Leben
mein Leben
eine Trauerode vom Moder
in Trauerschrei meine Kinder
ein Lied singend
versöhnen sich die Nachbarn vom Groll
schauen sich an
die Verwandten
traurig und betrübt
im Rad der Zeit
wird zur Staub
der trockener Kraut
hinterblieben von Kehricht
erlöschen werden die Erinnerungen
von meinem Leben
ein Abend im August
meine Vermählung mit meinem Gemahl
ohne Hochzeit
wird das Küchengeschirr vergessen
meine alten Hände
die sie gestellt hatten ins Regal
wird sie mich vermissen
die Rebe vor meiner Tür
dem ich Wasser gab
wenn sie wieder blüht im Frühjahr
niewieder wird fallen mein Anschein
in den Brunnen aus dem ich jahrelang Wasser zog
geht nun euch soll die Welt gehören
ihr
die ihn so finster gemacht haben
nur von kommen und gehen
ist das Leben
ich nur bescheiden sie lebte
nehmt sie als Andenken für euch
und als Forderung von mir
Adnan Durmaz
Aus dem Türkischen: Deniz Ercivan
erschöpft bin ich
am Gipfel von tiefen Kluften
eine Seite mit Sternen überfüllt
im Strudel vom Geschrei
ist die andere Seite
So sage!
ist das Lächeln so hager
oder ist es
das sanfte Unachtsame
in meinem Blut
was fließt?
Wenn die Dunkelheit umherschweift
zweifelt die Nacht
an bitteren Details
dann kommt der Moment
wo du im voll Blut
deine Seele skalpiert
Und im Asche von ausgelöschtem Feuer
werden dann irrsinnige Lieder
aufs Neue verbrannt
es ist Nacht...
Sterne überkommen dich
Wolken umgeben deine Wunde
in den Augen schmerzen
die dürren Steppen
im Auffuhr dringen
vergangene Zeiten in deine Herzen
und zum Verhängnis wird
das Schicksal deiner Mutter
erschöpft bist du
von umherirren in dunkle Städten
vom schmutzigen Anblick
von Freundschaften link
vom Lächeln wie Spucke
auf deine Straßen
aus ehrlosen Fratzen
die schneit
zu Dornen werden die Fingerspitzen
in der Nacht
und wenn ich dich berühren würde
würde schmerzen deine Haut
manchmal wirst du zu einem Fohlen
nach dem Feuer
und galoppierst von meinem Körper
zum Frühlingsbeginn
so berührt nicht mein Herz
mein Leid...
so schmerzhaft
und so unerklärbar auch
von dem Mond in meinen Armen
der Schmerz
Adnan Durmaz
Aus dem Türkischen:Deniz Ercivan
Meine Einsamkeit ein Korsar ohne Schiff
Mache deine Träume zu einem Floß
Suche ein Land auf dem Meere
Meine Einsamkeit,
meine Liebe,
mein Henker
lasse mich in die Tiefen deiner Meere
Das Herz nur noch Unterschlumpf
für Fledermäuse
bedeutungslos das Dröhnen
untief sind alle Höhlen
die Nacht zerrissen vor Sehnsucht
doch sehe die Ritze lässt
keine Nadelspitze durch
Lila Moire im Buch der Wellen
Wie ein Trog auf einer Wüste
Ist das Umherirren vom Warten
und der Versuch zu segeln
ohne Wind
und das Lächeln vom Mond
eine Wunde
so schmerzhaft
Wie Wüstenmeer
Wie im Jenseits
Zu leben in Einsamkeit
so ist die Zeit
von deinem splitternackten Leib
nur das Echo ist geblieben Sand
so schreie doch!
schreie Wind!
fort sind die kühnen Pferde
Das Geschrei aus jenen Zeiten
prallte Schaum für Schaum
vom Stein in die Leere
so gehe nicht!
warte auf mich!
gehe nicht!
so klang ich
ich klang
nur die Augen des Mondes
sah mein Klang
sonst erreichte er nirgends
Meine Einsamkeit
Mein sich verspätender Regen
verwelkt ist meine Geduld
mein Warten
So regne mich
auf die öden Gewässer,
auf das Echo
der aus dem Sand dröhnt
lasse hinabhängen von deinem Leib
Regne mich auf die Kinder
die am Rande
mit Glasperlen handeln
auf ihre Augen wie aus Perlen
regne mich
auf die Alten
die Märchen erzählen
von den Meeren
dem Fischer
auf sein glückliches Lachen auf der Heimreise
dem Schall von Hafenarbeitern,
den Sternen
und unbedingt den Wellen
So regne mich Einsamkeit
vielleicht haben ja die Gewässer
den Schweiß
der Geliebten berührt
die Träume des Mondes
verführt vom Lumpengesindel
unvollständig war das Blaue,
zerrissen die Wolke,
bevor ich kam
und gekränkt das Herz vom Mond
so schwerfällig die Nacht
auf fernen Inseln
doch zündeten sie das Feuer von Leidenschaft
betrunken waren sie die Matrosen
als auf Ozeane die Meeres Feen
tanzen ließen
wie tote Möwen war die Zeit
auf dem Wasser
so schmollte der Morgen,
erbrachen die Wolken
und kein Schimmer von Sternen
umhüllten deine Augen
und das Wasser nicht ausgebreitet
in keinem Flussbett
und keine Schreibfeder herbstlich
hattest du dazu getan
doch war gegangen
das riesengroße Lila von dir
Meine Einsamkeit
Mein Albatros ohne Heimat
Ausweglos ist der Himmel
und ohne Rückengrat
verdampft deine Wolken
verwundet dein Geschrei
Und deine Wege krümmten sich vor Sehnsucht
ohne jeglichen Klang deiner Plagen bist du nun
wo ist der Klang geblieben?
Ist es in der Wolke
Oder im Wasser?
bin einsam
bin allein
mein Rücken mit allen Zeiten beladen
deshalb war es mir nicht möglich
etwas von hier
auf die andere Seite zu tragen
die Nacht lässt kein Licht durchsickern
das Warten
zerfetzte alle Segel
Und die Spinnen
webten ihre Netze
an die Pfeiler
und auf dem Schiffsdeck
verschlossen alle Horizonte
sündhaft
tranken ein paar Götter im Speicher
mein Rufen
gehe nicht
warte auf mich
gehe nicht
und in den Händen
nur noch das Leere
blieb mir erhalten
Wo und wann beginnt
eigentlich der Mensch
zu schmollen
erst in den Augen
oder was verstimmt
die Laune
in seinem Gesicht?
Am Ende erbrach ich mein Herz
ins Wasser auf seinem Gesicht
der Mond sah mich
er war Zeuge
meine Hand erhob ich
nahm ihn ganzleibig
so biss ich in sein Fleisch
biss so heftig
Mein Mund, mein Gesicht
funkelten
nur noch Licht
für Verrückt
für Verrückt
erklärte mich die ganze Menschheit
am Ende der Nacht,
vor dem Tagesanbruch
war der Moment
ich musste nur noch schmunzeln
in jenem Moment
Adnan Durmaz
Aus dem Türkischen: Deniz Ercivan
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komm doch nun mein Eichenregen meine lila Wolke mein harmloser Spatzenblick dies ist eine blutende Schalmei gemolken von der Brust der Zeit dies ist ein Garten von Düsterkeit so wisse: der Wipfel der jedem sein Herz gibt blüht nur eine Zeitlang und das Herz ist doch kein Herz ein Märchenbündel ist es ein Eimer von öden Brunnen mit einem Riss
komm näher mein Kranich Lieder vom Lächeln sollen deine Augen tragen finde mich bei dir komm zu dir gehe zu mir dies ist die Geschichte von der Ameise und deren verlorene Liebe
die Hände das Lebens so dunkel wie die Nacht der Geruch von Hammel und Wolken fließt so verschnörkelt auf unfruchtbarem Boden und berührt den Duft vom Morgen den Schweiß vom Abend berührt dabei jeden Stein jeden Pfiff krümmt sie beim Gehen
unser Kommen mit mächtigem Kummer und Schmerz von Ausplünderungen gezeichnet unser Atlas ungeahnt liebten wir trotzdem das Leben seine Baracken aus Blech seine Stähle aus Luftziegeln und in Häusern in denen Regenwasser tropfte liebten wir uns unbeschwert
und wussten
nur die Liebe kann aus Fels eine Rose meißeln
von Anfang an so unlösbar für uns so unbegreiflich, so dunkel die Nacht und das Wasser vom Leben voll mit Sehnsucht so kamen wir und Lieder von Melancholie hinterlassend starben wir
eines Tages aber werden unsere Träume sich erheben wie wirbelnder Steppensand und sich zerstreuen unsere Sünden und unsere Schuldgefühle von uns gehen eines Tages wird vielleicht ein Kind kommen und sich auf den letzten Stein unserer zusammen gefallenen Häusern setzen und das Liebeslied von dem Mann singen den sie zum Banditen gemacht hat
komm näher die Zeit ist sonst ein Nichts was auch immer der Sinn und die Bedeutung des Lebens ist doch meine Liebe für dich sollte ihr schönstes Andenken sein
Zugrunde gehen werden eines Tages alle Sultane die gesamte Obrigkeit das unnötige Gejammer der Jähzorn und das Schlagen deines Kopfes auf die Steine
aber im Moment gibt es nur uns und ich bin dein und dein Fehlen ist nur wie eine Nacht in meinem Leben
auch Berge weinen … wenn Balladen widerhallen von dem der sein Trauerlied nicht bezähmen kann und zu Stein wird werden sein Geschrei an der Spitze des Berges auch Berge weinen … wenn Wolken küssen dein Haar und jeder Sonnenuntergang das Herz blutrot erstrahlen lässt
und wenn jene Liebe so meisterhaft malt wird sie sogar Steine lächeln lassen und deine trauervollen Blicke werden in Liebe verwandelt und Rosen um dein Herz ranken und wenn irgendwann irgendwo eine Frau einen Teppich knüpft so wirst du auf der Suche nach mir sein
so komme nun denn ohne dich weinen auch meine Berge
das wievielte Leben hinter gefallene Stadtmauern wehte davon wie Wind die wievielte Liebe hinter den Bergen von Wolken verfangen regneten auf die Wüste und das Herz reichlich ausgeteilt wie von Ferhad Worte wurden zu Knüppeln verjagt von all dem Glauben dieser Erde
und öffentlich versteinert auf allen Strassen dieser Welt damit die ganze Menschheit daraus eine Lehre zöge
Ausgeplündert ausgeplündert, so kam ich zu dir meine einzige Nahrung das Leben mein ganzes Kapital das Herz
ohne dich zerfließen die Augen in Dunkelheit zu Sternen werden sie nun die Gefühle so destilliert nun wie Gift von Niederlagen komm ich her von Niederlagen bin so müde ohne deine Hände und die Zeit und der Wind komm doch nun endlich das Leben beginnt mit dir
Adnan Durmaz
Aus dem Türkischen: Deniz Ercivan |
Ah Steppen...
von alldem Vergessenen
die Heimat
seine Kälte wie Dolch
wie Blut der August
die Sultane von Staubstrudeln
und von Schneestürmen
zur Tode verlassen worden
von der Muttererde
das Leben hinter den Bergen
wie Peitschenhiebe
gewiss hinter den Bergen
da gäbe es noch etwas
glaubst du
doch wächst dort
nur das Nichts
Wangen wie Erdgefälle
das Lächeln geflickt
auf das Gesicht
Ah Steppen
die Schmerzen von einer Wund
so zerstreut sich das Leben
wie gesäte Getreidewurzeln
so verwelkt
das ist Leben so glaubst du
doch ist die Liebe eine Gemeine Quecke
alle Tragsatteln damit gefüllt
und nach sieben Jahren
zerreißt sich dann deren Häute
erblühen die Quecken
so hartnäckig
mit neuem Lebensmut
Adnan Durmaz
Aus dem Türkischen: Deniz Ercivan

Oel / Leinwand 50x50: Adnan Durmaz

Oel / Leinwand : Adnan Durmaz

Foto : Adnan Durmaz
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Gib mir einen Namen |
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Am Abend eines zu Asche gewordenen Tages bist du der schönste Traum von mir und so lange du auch lebst von deinem Wein so geheimnisvoll wird niemals mehr getrunken werden
und wenn der Traum sich immer mehr in die Länge zieht überkommt mich doch Angst der Zauber würde verfallen zum Alptraum könnte er werden
du Schmetterling, der sein Staub wie helles Licht abgestreift hat an meinen Fingerspitzen so gib mir doch einen Namen den du nur kennst
einen Namen der nur aus einem Gedicht destilliert ist aus welche Ecke du mir auch zurufst oder auch wenn du tief in deinem Inneren an mich denkst ich werd's hören sogar im Schlaf und blühen werde ich plötzlich wie Heidekraut so gib mir doch einen Namen bevor der Traum zu Ende ist und ich mich verliere in der Finsternis
Adnan Durmaz |
Aus dem Türkischen: Deniz Ercivan


Foto: Adnan Durmaz
Mein kleiner trauriger Stern
keine Häuser haben wir gebaut aus Sand
keine Träume errichteten wir zusammen
und nicht weinen
sollten wir jetzt
weil wir es
nicht getan haben
bleib du nur immer dort...
in diesem zauberhaften Blau
so unendlich weit
so geheimnisvoll
hier in meiner öden Stille
im inneren so tief
lasse uns nur unsere Liebe
die Wellen sollen sie nicht wegspülen
und der Wind sie nicht wegwehen
Adnan Durmaz
Aus dem Türkischen: Deniz Ercivan
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